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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 31. Okt 2012, 23:34 
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Estar hat geschrieben:
Aber es erging ihm besser als Loki und Baldr, die es vermutlich nie gegeben hat - jedenfalls hat man noch keinerlei Beweise für einen Loki oder Baldr Kult gefunden und die Vermutung liegt nahe, dass Snorri in der Edda die beiden Götter einfach mal dazuerfunden hat wie ja auch manch Anderes in seiner Edda bewusst verfälscht wurde (bzw. werden musste damit die Kirche ihn nicht umbringt)


Interessant aber eigentlich auch nicht schlüssig finde ich. Eine Kultur wie diese hat sicherlich ihren Trickster gehabt wie soviele andere auch. Vielleicht ist Loki eher überarbeitet worden ?

Eine Figur wie Baldr scheint mir generell zu zentral angesiedelt in der Mythologie um nachträglich hinzugedichtet zu sein. Und wird der nicht auch auf alten Runensteinen erwähnt ?

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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 1. Nov 2012, 00:00 
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Nun in der Edda sind viele wichtige Elemente gar nicht vorhanden und einige wurden sehr vereinfacht und zensiert - musste ja kirchentauglich sein wenn Snorri seinen Kopf behalten wollte. In der Edda ist ja auch das "Kräfteverhältnis" sehr verschoben. In der Edda sind die meisten Sagen auf Thor und odin bezogen dabei waren mit Abstand Freyr und Freya wichtiger in der Anbetung wie auch Andere. Dazu kommt, dass Ragnarök "zufällig" da aufhört wo das Christentum anfängt - 2 nackte Menschen und eine Schlange mit dem Gott des Lichts auf blühend grünen Weiden - eine interessante Sache für eine Kultur die an eine Form der Reinkarnation glaubte, dass es ein ewiges Ende gäbe.

Noch interessanter wirds, wenn man bedenkt, dass die Edda von Snorri sehr in gut (Asen) und Böse (Riesen) aufteilt dabei waren viele der Götter selbst von Riesen abstämmig oder mit Riesen vermählt und einige Riesen haben eine sehr positive Rolle für die Götter gespielt und sind ihnen wohl gesonnen. Es gibt Riesen die zu Menschen gütig sind und Götter welche Menschen zum Verhängnis werden. Die Grenze zwischen gut und Böse war für die damaligen Menschen evrmutlich viel verschwommener als in der Edda dargestellt

Wobei man bedenken muss, dass die Götternamen nie übersetzt wurden (aber alle bedeutung haben) und Baldr und Loki schlichtweg Prinzipien sein könnten die nicht als Personifikation gedacht waren sondedrn Metapher. Andererseits kann man das für viele Götter sagen ^^

Ich selbst denke, dass Baldr und Loki durchaus im Glauben existiert haben wobei ich mir gut vorstellen kann weshalb es trotzdem keinen richtigen Loki - Kult gab. Bei Baldr wunderts mich etwas

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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 1. Nov 2012, 10:18 
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Estar hat geschrieben:
Noch interessanter wirds, wenn man bedenkt, dass die Edda von Snorri sehr in gut (Asen) und Böse (Riesen) aufteilt dabei waren viele der Götter selbst von Riesen abstämmig oder mit Riesen vermählt und einige Riesen haben eine sehr positive Rolle für die Götter gespielt und sind ihnen wohl gesonnen. Es gibt Riesen die zu Menschen gütig sind und Götter welche Menschen zum Verhängnis werden. Die Grenze zwischen gut und Böse war für die damaligen Menschen evrmutlich viel verschwommener als in der Edda dargestellt


Dem stimme ich zu. Eine Kultur in der Tradition und altes Recht, das Messlatte der Dinge war, kann gut und böse nur wenig von Bedeutung gewesen sein. Das hätte im Alltag schon nicht mehr funktioniert.

Estar hat geschrieben:
Ich selbst denke, dass Baldr und Loki durchaus im Glauben existiert haben wobei ich mir gut vorstellen kann weshalb es trotzdem keinen richtigen Loki - Kult gab. Bei Baldr wunderts mich etwas


Vielleicht lags einfach an der Unbeständigkeit Lokis, dass sich da ein Kult von selbst verbot. Ein Kult bedeutet Regeln und Traditionen.....nicht grad Lokis Baustelle.
Und Baldr, naja wenn man bedenkt wie der Christengott auf die Wikinger gewirkt haben muss, ist der sanftmütige Baldr vielleicht nicht grad jemand der eine grosse Klientel gehabt haben wird. Steht vielleicht für einen unübersehbaren Aspekt der Natur, der wiederum keine grosse Rolle in der Gesellschaft gespielt hat. Das wär ja schon eher ein Ackerbaugott, so was in der Art, oder eine Art Sonnenkult, der in den Breitengraden vielleicht etwas unangebracht wäre.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 1. Nov 2012, 10:59 
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Naja Baldr hat einige Gemeinsamkeiten mit der Jesusfigur - er steht von den toten wieder auf, ist ein Gott (wie bei katholiken) eine Lichtgestalt, ein Heiler und mit Dornen hat ers auch nicht so. Zumal bei den Katholiken Jesus = Gott und in der Edda ist Jesus / Baldr der EINZIGE noch existente Gott also kann man auch Baldr = Gott sehen. Wäre eine unterschwellige Beleidigung der Kirche "Euer oberster Gott ist nur der SOhn von unserem" ^^

Bei Loki wäre es schwierig eine beständige Eigenschaft zu finden die man anbeten könnte. Ständiges Seitenwechseln und Leute verarschen ist nicht unbedingt eine anbetungswürdige Eigenschaft. Einen Baldr Kult halte ich da für viel wahrscheinlicher. Findet man ja vielleicht noch - der Mangel an archäologischen Beweisen heisst ja nicht, dass es das nie gegeben hat. Und grade bei Kulturen die ihre Bauwerke aus Holz gebaut haben ist es sehr schwer was zu finden

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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 13. Nov 2012, 21:37 
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Hoi,

Vielleicht hättest du auch erwähnen sollen dass die Schildmädchen die die Seelen der toten Wikinger abholen früher Totendämonen genannt wurden. Walhalla ist ein dunkler Ort, es widerspricht auch der Lehre Bardons der lichten Höhen und der wahren Welt Gottes. Die Vorstellung, tagsüber in den Krieg zu ziehen, zerstückelt zu werden um tagsdarauf wieder in voller Montur dazustehen, um sich gleich wieder abhacken zu lassen, immer und immer wieder, trifft es recht gut, meinem persönlichen Empfinden nach. Mich erstaunt, dass hier unter Hermetikern nicht auf diesen Aspekt eingegangen wird.

Ich kann daher nur vor einer Glorifizierung, wie sie hier stattfindet, warnen, diese Ebenen sind nicht gesund für den Geist und die Seele. Auch wenn mich die Legenden und Geschichten selbst immer wieder faszinieren, insbesondere der Mut und das Rückgrat der Wikinger, welches den meisten Menschen in unserer heutigen Zeit durchaus gut täten ;) Das heisst aber noch lange nicht, dass man seinem Feind in Angriffskriegen den Kopf abhacken darf. Angriff ist der sicherste Weg in die dunklen Ebenen. Maximal Verteidigung ist erlaubt, gross diejenigen, welche ihr Ego in kleinlichen Angriffen zurückstecken können.

Die einzige Daseinsberechtigung des Bösen ist es, zu unterscheiden, wer wahrhaft weise ist.

Gruss


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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 13. Nov 2012, 22:22 
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Vielleicht hättest du dich mit der Mythologie befassen sollen bevor du dazu was sagst ;)

Valhall selbst - die goldene Halle - ist ein ort des Lichts. Dort fliesst der beste Met in unerschöpflichen Mengen, es wird das Beste Fleisch serviert von einem Tier das sich jedesmal erneuert und keinerlei leid verspürt sondern sich hingibt. Dort sind die schönsten Frauen welche die Helden bewirten und mit ihnen verkehren (in der Tat ist jeder Krieger mit einer eigenen Walküre verheiratet)
Die Halle wird von einem Stück der Sonne selbst erleuchtet und der ewige Kampf den du schilderst ist kein krieg mit Schmerz und leid oder Tod sondern eine Art Spiel in dem man voneinander lernt, sich mit anderen misst und mit den grössten Helden trainiert.

Totendämonen? Mich würd interessieren wie man darauf kommt sind die Valküren doch bedeutend Älter als die jüdische Religion die erst die Dämonen eingeführt hat ;)

Hast du die Ebenen überhaupt mal bereist? ^^ Ich finds faszinierend wie schnell Leute urteilen ohne sich auszukennen.

Der grösste Witz ist nämlich, dass die germanische Religion - wie auch die Hermetik und andere magische Richtungen - den begriff Böse gar nicht kennt. Das Böse in dem Sinn existiert ohnehin nicht - es gibt nichts das disharmonisch wäre in der Schöpfung, das sollte dir egtl. bewusst sein

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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 13. Nov 2012, 23:32 
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Estar hat geschrieben:
Vielleicht hättest du dich mit der Mythologie befassen sollen bevor du dazu was sagst ;)

Valhall selbst - die goldene Halle - ist ein ort des Lichts. Dort fliesst der beste Met in unerschöpflichen Mengen, es wird das Beste Fleisch serviert von einem Tier das sich jedesmal erneuert und keinerlei leid verspürt sondern sich hingibt. Dort sind die schönsten Frauen welche die Helden bewirten und mit ihnen verkehren (in der Tat ist jeder Krieger mit einer eigenen Walküre verheiratet)
Die Halle wird von einem Stück der Sonne selbst erleuchtet und der ewige Kampf den du schilderst ist kein krieg mit Schmerz und leid oder Tod sondern eine Art Spiel in dem man voneinander lernt, sich mit anderen misst und mit den grössten Helden trainiert.

Totendämonen? Mich würd interessieren wie man darauf kommt sind die Valküren doch bedeutend Älter als die jüdische Religion die erst die Dämonen eingeführt hat ;)

Hast du die Ebenen überhaupt mal bereist? ^^ Ich finds faszinierend wie schnell Leute urteilen ohne sich auszukennen.

Der grösste Witz ist nämlich, dass die germanische Religion - wie auch die Hermetik und andere magische Richtungen - den begriff Böse gar nicht kennt. Das Böse in dem Sinn existiert ohnehin nicht - es gibt nichts das disharmonisch wäre in der Schöpfung, das sollte dir egtl. bewusst sein


Der Islam lockt auch mit 72 Jungfrauen, das heisst aber noch lange nicht dass diese auch dort warten.
Ich als Schamane hätte auch alles Interesse daran, meine Soldaten zu fanatischen Gotteskriegern umzufunktionieren, sind diese doch absolut gnadenlos und ohne Furcht, wie du treffend in deinem Artikel bemerkt hast.

Dämonen galten nicht nur in der Jüdischen Kultur sondern sind ein Menschheitserbe seit frühester Zeit schlechthin, auch Mayas unterschieden zwischen schlechten und guten Geistern. Wenn du nun sagst, für die Wikinger seien die Riesen das Böse, dann widersprichst du dir dort. Natürlich gab es auch für die Wikinger das Böse. Für uns Hermetiker gibt es ebenfalls das Negative, ansonsten müsste ich dich bitten die Tarotkarte der Hohepriester rauszuholen und dir nochmals die 2 Säulen anzuschauen. Auch der 4-Polige Magnet besteht aus 2 negativen Polen.

Warum sollte man eigentlich mit Helden rumtrainieren, ist doch der Kampf Teil dieser Welt und nicht Teil der Herrlichkeit Gottes. In der Welt Gottes, gibt es keinen Kampf, daher auch kein Messen miteinander, was schon beweist, dass dies nicht die höchste Ebene sein kann.

Genausowenig kann irgendjemand der reihenweise Feinden den Kopf abhackt erwarten, dass er durch die Gottes Pforte kommt, das sollte eigentlich klar sein.

Ich kann auch erzählen dass dort und dort goldener Met fliesst, aber wie sieht die Wahrheit wirklich aus? Was sagt dir dein gesunder Menschenverstand, glaubst du wirklich dass man durch morden Eingang zu Gottes Paradies findet?

Wie kannst du dir denn sicher sein, dass du gerade diese Ebene bereist hast und nicht meine Erfahrungen korrekt sind? Ich habe das Gefühl hier wird generell viel romantisiert über Vergangenes wie auch zb. über den Islam. Medien tun ihr übriges dazu.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 14. Nov 2012, 08:49 
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Zitat:
Der Islam lockt auch mit 72 Jungfrauen, das heisst aber noch lange nicht dass diese auch dort warten.
Das Christentum lockt mit dem Paradies wo es alles gibt was man nur wollen kann. Das heisst aber noch lange nicht, dass das dort wartet. Es gab auch eine Zeiot wo das Christentum denen die Muslime töten versprochen hat, dass sie in besagtes Paradies kommen. Und auch wenns nicht direkt gesagt wird muss im Paradies natürlich auch eine Schar Singlefrauen sein.
Indess sind die Walküren keine leichten Mädchen sondern Ehefrauen der jeweiligen Männer.

Zudem machst du den Fehler alles wörtlich zu nehmen anstatt dir den Symbolcharakter anzuschauen. Würdest du die germanische Religion vom hermetischen Standpunkt aus durchleuchten kämst du drauf, dass da enormes Wissen drinsteckt das sehr viel mit der hermetischen lehre zu tun hat. Aber wer nicht genau hinschaut und sich einen Dreck um Symbole schert sondern alles wörtlich nimmt...tja dem ist nicht zu helfen. Da kann ich auch sagen die hermetiker sind Idioten weil - wie oben so unten, die amchen die Zimmerdecke and en Fussboden - Spinner...

Zitat:
zu fanatischen Gotteskriegern umzufunktionieren

Ach du meinst so wie die Christen bei den kreuzzügen? Ist ja interessant...Die Germanen und Wikinger waren übrigens nie Gotteskrieger ^^ Und Fanatiker gabs nur n paar Einzelne.

Zitat:
Wenn du nun sagst, für die Wikinger seien die Riesen das Böse, dann widersprichst du dir dort.
Das sit aber falsch - das sagte SNORRI in der EDDA - und Snorri war ein christlicher Mönch der aus guten Gründen sehr viel weggelassen hat in der Edda. Die Riesen waren eben NICHT Böse. Es gab vereinzelte Riesen die viel Ärger machten, gab aber auch solche Götter. In der Tat haben die Germanen und Wikis nichtmal zwischen Göttern und Riesen unterschieden - es gab die Familie der Asen, die Familie der Wanen (zusammen als "die Götter" abgestempelt) die Familie der Jöten (die "Riesen) die Familie der "Dasen" (Daesir) und so weiter. Die Familien stammen ALLE von Riesen ab und auch beid en Asen finden wir Riesen aus der Familie der Jöten - die haben untereinander geheiratet sich aber auch utnereinander gehauen, wie die Wikingerstämme selber. Das "Böse" gab es nicht für die Wikinger. Riesen waren Naturgewalten und nicht per se Böse aber mitunter schädlich für die Menschen. Und Thor erschlug ja nicht wahllos jeden Riesen sondern nur jene die es zu dolle trieben - er hat zeitweise auch durchaus mit Riesen zusammengearbeitet gegen andere Riesen und im Endefekt stammen die Asen auch von Riesen ab.
Gut und Böse gab es so nicht bei den Wikis. Wenn du böse mit negativ gleichsetzt, dann muss es bei ALLEN das "Böse" geben nur ist "böse" eine Wertung. Und du setzt negativ bewertend ein als schlecht, schädlich, unnötig, etwas das nict sein sollte und verstehst damit das Wort negativ völlig falsch. Das "böse" hat die gleiche Existenzberechtigung wie das "gute" und sit genauso nützlich und nötig.

Zitat:
Dämonen galten nicht nur in der Jüdischen Kultur

Doch - negative Kräfte und Wesen gabs überall aber DÄMONEN wie wir sie verstehen tauchen erstmalig da auf. Die Namensgebung kam woanders her und die DÄMONEN denen der Name ursprünglöcih gehörte gibts in keiner modernen Vorstellung mehr ^^

Zitat:
In der Welt Gottes, gibt es keinen Kampf, daher auch kein Messen miteinander, was schon beweist, dass dies nicht die höchste Ebene sein kann.

Richtig und falsch gedacht. Dualität zieht sich durch ALLE FORMEN DER EXISTENZ. Die Ebene in der die Dualität endet, die REINE Gottesebene ist eine Ebene des Nichtseins. Und dort kann auch der höchstrangige weitestentwickelte Hermetiker nicht existieren. Wer dort sein will hört auf zu sein. Der endgültige Tod,d as endgültige Ende des Seins als bewusstes Wesen, die Auflösung ist die einzige Möglichkeit da hin zu gelangen und dann ist man ja nicht mehr. So gesehen ist es unmöglich das Ziel zu erreichen denn so wie man dort ankommt ist man nicht mehr.
Auch Urgaya ist noch in der Dualität.

Zumal du wiedermal die Symbolik missverstehst. Ein Kampf geht in der nordischen mythologie nicht gegen äussere Kräfte. Wie heissen denn die Riesen die Thor bekämpft? Sie heissen "Gier" "Hass" Lüsternheit" "Schwäche" "Feigheit" "Stolz" "Egoismus" und so weiter - man muss nur die Namen übersetzen.
Die Krieger in Walhalla üben nicht um irgendwelche Wesen zu erschlagen - sie prüfen sich gegenseitig um die Mächte der negativen Seite ins ich selbst zu besiegen. Yggdrasil steht für den Makrokosmos und die Verbindung zum eigenen Selbst ist deutlich. Bekämpft werden innere "böse" Mächte.
Die Götter symbolisieren innere gute Kräfte. Odin ist auch nicht der Gott der Krieger 8das wär Tyr) sondern der Gott der Magier - odin selbst ist kein Krieger in dem Sinne sondern ein Suchender, nach Wissen und Weisheit dürstender, der Entdecker der magie. Odin bedeutet übersetzt "Weisheit" und Weisheit ist apssend der oberste Gott ;) Und Valahlla ist die Halle der Weisheit - golden. Met wird in der mythologie als Trank des Wissens bezeichnet - in der Tat hat Odin durch einen Schluck aus "mimirs met" "Allwissenheit" erlangt - in den Hallen der Weisheit wird der Trank des Wissens gegeben und zwar von der eigenen Walküre - die steht für das innere "höhere" Selbst die Ergänzung mit dem man sich vermählt - also seinem spirituellen Selbst und übt zusammen mit anderen "Erwachten" um gegen die niederen Regungen zu bestehen.
Und das ist nur ganz kurz oberflächlich betrachtet da steckt viel mehr dahinter.
Indess kommst du nicht nach Valhalla weil du Menschen umbringst sondern weil du
a) Weise bist
b) Wissend bist bzw. lernen willst
c) du Sieg über deine niederen Regungen errungen und
d) Mut bewiesen hast.
Vorraussetzung nach Valhall zu kommen ist der Heldentod - nicht das töten von irgendwem. Auch jemand der nie wen getötet hat kann nach Valhall kommen so er nur im Tode Stärke beweist und keine Angst oder Feigheit sondern selbstlos sein Leben gibt um andere zu retten.
Auch da weiss wieder fast keiner, dass nicht Odin sondern Freya aussortiert wer nach Valhall darf und wer nicht...
Zudem die Sittengesetze der Wikinger und Germanen sehr streng waren, siehe weiter oben...auf die Idee mit der Unzucht oder sich die Hucke voll saufen wär keiner gekommen.

Zitat:
Genausowenig kann irgendjemand der reihenweise Feinden den Kopf abhackt erwarten, dass er durch die Gottes Pforte kommt, das sollte eigentlich klar sein.

Wessen Gottes? DER universale Gott - bei den Wikingern Fimbultyr - schert sich nicht um positiv oder negativ. Da klannst du auch als Massenmörder weiterkommen sofern du spirituell weiterkommst.

Zitat:
Was sagt dir dein gesunder Menschenverstand, glaubst du wirklich dass man durch morden Eingang zu Gottes Paradies findet?

Nach Valhalla? Ja. In diverse andere paradiese nordischer mythologie? Ja. Ins christlcihe paradies? Ja - immerhin ist das Christentum die Religion der Vergebung wo du alles anstellen kannst solang du nur Reue zeigst. Aber auch Christend achten, dass sie ins paradies kommen wenn sie muslime umbringen.
Der Witz ist, aus hermetischer Sicht ist es ja so - wenn du GLAUBST dass du durchs töten von Leuten ins paradies kommst, dann WIRST du das auch...ich weiss dir fehlt wieder mal die kenntnis das zu verstehen...
Lies einfahc nochmal was hermetisches zum Thema Jenseits ichs chreib hier kein Buch

Zitat:
Wie kannst du dir denn sicher sein, dass du gerade diese Ebene bereist hast und nicht meine Erfahrungen korrekt sind?

Die Frage ist, kannst du dir denn sicher sein? ^^ Du behauptest das nämlich.

Gehen wir einen Schritt weiter, so ist ja nichtmal sicher ob der Teil mit den täglichen kämpfen überhaupt bestandteil der Religion war. Ehrlichgesagt spricht sehr viel dagegen.
Die einzige Quelle die das erwähnt ist die Edda. Und die wurde von einem christlichen Mönch geschrieben der die Edda so verändern MUSSTE dass die Kirche darin
a) keine spirituelle Lehrer sondern eine Sagensammlung sah (Snorris Edda erschien offiziell als Lehrwerk für Poeten)
b) keine Heilslehre vertreten wurde (also musste auch der "Himmel" schrecklich wirken mit dem kämpfen)
c) keine christlichen Elemente vertreten wurden (Konkurrenz)
d) die Christen als die guten dastehen was sie zumindest am Ende der Edda auch tun...

Aber nix wissen und gross reden...vermutlich hast nichtmal die Edda gelesen geschweige denn zuverlässige Quellen

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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 14. Nov 2012, 16:52 
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Um das Thema wieder auf den ursprung zu bringen:

Toleranz:
Ja Wikinger waren sehr tolerante Menschen. Das hatten sie schon vom germanischen Erbe. Es war schon immer wichtig, sehr gastfreundlich zu sein - Gäste konnten mythologisch ja auch Götter sein die ihr Volk prüfen. Es war also völlig egal welche Hautfarbe, Nationalität, Religion oder Geschlecht der Gast hatte, solange er das Gastgebot nicht verletzte war er heilig und wurde aufs Beste bewirtet. So war die Gesellschaft sehr offen für Neuzugänge - in der Tat konnte JEDER freie Mensch, welcher die Sprache sprach, ein "echter" Wikinger werden mit allen Rechten die ein geborener Wikinger hatte. Bei den Germanen gab es Römer, welche in der Hierarchie der Stämme aufstiegen und auch bei den Wikingern gab es Krieger aus anderen Kulturen.
Wichtig war nur, dass man sich in der Gemeinschaft engagierte und beteiligte - ein Teil wurde. Es durfte auch jeder die Religion verfolgen die er wollte, solange er sich nicht aufdrängte damit.

Homosexualität & Transexualität:
Nun abgesehen davon, dass Wikinger sehr treu waren, waren sie mal verheiratet ist das "moderne Menschen" interessierende Thema Homosexualität. Es gibt genug Quellen die belegen, dass Homosexualität in der Wikingerkultur ohne weiteres akzeptiert war. Homosexuelle Wikinger wurden weder verfolgt noch gesellschaftlich benachteiligt oder diskriminiert. Der einzige Punkt war, wenn einer der beiden Partner das Kriegerhandwerk ausübte, musste er "beweisen" dass er der "männliche" Part in der Beziehung ist und nicht der "weibliche" Kurzum dass er der penetrierende und nicht der penetrierte Partner ist.
Das war insofern wichtig, als dass seine Kameraden ansonsten seine Männlichkeit angezweifelt haben und ihn nicht mehr als Krieger sahen mit allen dadurch entstehenden Nachteilen. Es gibt Berichte, wo ein solcher Krieger vor dem versammelten Dorf öffentlich damit angibt wie er seinen Partner genommen hat, um zu bestätigen, dass er der Mann in der Beziehung ist und das Recht hat ein Krieger zu sein.
Ein Fuðflogi (wörtlich Vaginaflüchter - also vor weiblichen Geschlechtsorganen weglaufender) war ebenso akzeptiert wie eine Flannfluga (Penisflüchterin)
Noch interessanter wird der Punkt, dass selbst Transsexualität bei Wikingern bekannt war und akzeptiert wurde. Ein "Seidberendr" - bedeutet soviel wie eine "Unterleib durch Magie" - gemeint ist ein verändertes Geschlechtsorgan. Die Transexuellen hatten aber keinesweges ein Stigma! In der Tat wurden alle Menschen, die sich nicht in die sehr strengen Geschlechterrollen zwängen konnten oder wollten als Transvestiten bezeichnet - das galt ebenso für kriegerische Frauen wie für Männer die sich mit Magie und Mythologie befassten. Schamanen, Magier und "Hausmänner" wurden ebenso als Transvestiten bezeichnet, wie Frauen die eine männliche Rolle als Jäger, Krieger oder Handwerker einnahmen und natürlich jene, die sich einfach gern in den Sachen des anderen Geschlechtes kleideten.
Das war allerdings KEINE Diskriminierung - sie alle hatten immer noch die selben Rechte wie zuvor. Also ein männlicher Transvestit hatte immer noch das Recht ein Krieger zu sein, als freier Mann Stimmrecht im Thing etc. Allerdings durfte er sich einige Spässe und Witze über seinen Lebenswandel anhören. Ausnahmen bildeten Schamanen, Magier und Priester die in der Gesellschaft hoch geachtet waren und Männer die zurückhauen konnten.

Dazu gehörend - die Frage nach dem warum? Nun die nordische Kultur hatte klar definierte Geschlechterrollen und Aufgabenteilung, aber ohne kirchliche Doktrin oder sexuelle Moral. In der Mythologie sind viele Götter Gestaltwandler und manche Götter wandeln auch ihr Geschlecht. In der Magie ist der Rollenwechsel ein zwingender Bestandteil der Initiation und wird auch in anderen Kulturen - vor allem schamanistischen Kulturen - praktiziert um den Geist und das Bewusstsein zu erweitern. Je verfahrener man auf seiner Geschlechterrolle ist umso mehr gewinnt man dadurch.
Menschen die nicht in die sehr wichtigen Geschlechterrollen passten, waren für Wikinger keine Freaks, Kranke oder Unzüchtige wie bei den Christen - Kinder die nicht in Geschlechterrollen passten, wurden in der Magie unterwiesen, denn sie galten als magisch und von den Göttern auserkoren in deren Lehren einzudringen (der Teil seid in der Bezeichnung von Transvestiten kam von seidr was soviel wie Magie bedeutet) Sie hatten ihren Platz in der Gesellschaft als Seher/innen) Berater/innen) Priester/innen, Magier/innen und auch Führungspersönlichkeiten. Denn die Gunst der Götter war ihnen ja sicher. Und sie galten als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft, wurden mit allen Ehren behandelt und bestattet wie jeder Andere. Auch im Krieg waren sie von Bedeutung - kein Kriegsherr wagte gegen den Rat einer Seherinn in die Schlacht zu ziehen und die Magier wirkten Runenzauber auf Waffen und Rüstungen und manche kämpften selbst mit was die Moral der Übrigen sehr hob, sprach man diesen Kämpfern doch besondere Gunst der Götter und magische Kräfte zu wodurch sie potentiell mehr ausrichten konnten als einfache Krieger. Für Berserkir und Ulfhednar hatten diese Menschen noch grössere Bedeutung aber das führt zu weit.
Die Kurzfassung bleibt, dass die damaligen Wikinger weit toleranter waren, als wir es heutzutage sind. Gibt aber auch andere Kulturen auf die das zutrifft - scheinbar sind es gerade die abrahamischen Religionen, welche die Intoleranz verbreiten.
Die Wikinger jedenfalls liessen jedem das Seine, solang er sich in der Gemeinschaft beteiligte und verdient machte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 19. Nov 2012, 14:15 
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Monotheisten, Polytheisten, Pantheisten?
Eine schwierige Frage. Generell kann man bei den Wikingern Monotheismus ausschliessen obwohl mir keine einzige Religion bekannt ist, die WIRKLICH Monotheistisch wäre, (Monotheismus - "Ein Gott Glaube") da auch bei den abrahamischen Religionen (Christentum, Islam, Judentum) nicht nur der "eine" Gott angebetet wird sondern auch Heilige, Propheten und Engel was eher polytheistisch ist.
Polytheisten waren mit grosser Wahrscheinlichkeit die meisten Wikinger - das "einfache Volk" der Handwerker, Hausfrauen, Bauern etc. Sie glaubten also an viele Götter und beteten zu vielen Göttern (Polytheismus = "viele Götter")
Aber es gibt sehr sehr viele sehr deutliche Hinweise darauf, dass zumindest die Skalden ("Geschichtserzähler") die Goden (Priester) die Magier, Schamanen und auch Herrscher Pantheisten waren. Und natürlich die Seherinnen und Hexen etc. Das wird sehr deutlich wenn man die Edda liest, die Sagen begutachtet oder die Inhalte von Tempeln. Es gab eine tiefe spirituelle Lehre im nordischen Glauben die nur wenigen Initiierten gelehrt wurde (eben die besagten) vom Pantheismus (Pan = "All" also "Allgott")
Im Pantheismus glaubt man, dass es nur einen grossen gewaltigen Allumfassenden Gott gibt, der aber nicht wie im Monotheismus ausserhalb seiner Schöpfung steht, sondern die Schöpfung in der Gesamtheit ist. So wie der menschliche Körper aus Milliarden individueller, bewusster Lebewesen besteht (Zellen) so besteht der "Allgott" aus allen Wesen seiner Schöpfung. Das heisst, jeder Gott, jede Göttin, jeder Riese, jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze sind für sich Individuen und Real und haben diverse Wirkungen sind aber letztlich alle nur Teile des EINEN Gottes und durch diesen Verbunden. Im nordischen Glauben gibt es mehrere Gottheiten die für den "Allgott" gehalten werden. Als obersten Kandidaten haben wir Fimbultyr, der "Alleine" der aller Anfang war. Er ist quasi das Äquivalent zum christlichen Gott wobei unklar ist, ob er nicht später "erfunden" wurde.
Ein weiterer Kandidat ist Odin, dessen Namen "DER Geist" bedeutet. Im Havamal spricht er von sich selbst als den EINEN Gott aus dem alles hervorging und er wird auch als "Allvater" betitelt Zudem ist sein Name so vielschichtig dass er wirklich viel umfasst. Zudem ist er auch ein Gestalt und Geschlechtswandler ihn erst recht zu diesem Posten erheben könnte.
Ein weiterer Kandidat ist Heimdall dessen Name "die grosse Welt" bedeutet, der alles sieht und alles hört und dessen Stimme durch die ganze Schöpfung hallt.
Freya ist ebenfalls Kandidatin - sie wird sehr oft als "die grosse Göttin" dargestellt und man kann jede andere weibliche Gottheit als Freya deuten da Freya sehr umfassende Eigenschaften hat. Sie könnte zumindest das weibliche Prinzip darstellen.
Wer letztlich der "Allgott" ist bleibt offen und vermutlich hatte jede Mysterienschule ihren eigenen Kandidaten. Zum Schluss bleibt zu sagen, dass Wikinger sowohl Polytheisten als auch Pantheisten waren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 21. Nov 2012, 13:51 
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Kommen wir zu einem positiven Vorurteil das weit verbreitet ist. Heldenmut, Tapferkeit und kriegerisches Geschick:

Die Quellen darüber sind sehr zahlreich - archäologisch gesehen finden wir bei Wikinger und Germanengräbern fast ausnahmslos Waffen, selbst bei Frauengräbern, was den hohen Stellenwert der Bewaffnung darstellt. Weiters Wissen wir von zahlreichen Schlachtfeldern, dass diese Stämme ständig im Krieg waren - entweder mit Nationen oder untereinander. Viele der gefunden Toten (die allermeisten Männer) trugen deutliche Zeichen von Krieg - Narben, Kerben oder auch tödliche Wunden (Spuren an Knochen)
Zusammen mit historischen Quellen können wir davon ausgehen, dass fast jeder Mann der damaligen Gesellschaft mehrmals in seinem Leben gekämpft hat - sei es um die Ehre seines Clans zu verteidigen in einer Fehde, sei es bei Überfällen / Eroberungen oder um seinen Besitz zu verteidigen. Die Zeiten ware äusserst gewalttätig. Auch in der Mythologie finden wir Kampf und Krieg als wichtiges Thema und letztlich kann man davon ausgehen, dass die Religion in erster Linie dazu diente, die Menschen auf den Tod vorzubereiten - kein Wunder, denn der Tod war etwas alltägliches und konnte jederzeit zuschlagen. Es war nicht wie heute, dass man Pläne für die Pensionierung machte - man manchte selten Pläne über mehr als 2 Jahre, denn wer weiss schon ob er da noch lebt.
Auch in der Sprache finden wir hinweise darauf. Eine Frau die freiwillig verhungerte sagte nicht "ich gehe in Hungerstreik" sondern "ich werde erst an Freyas tafel essen" und jeder wusste was gemeint war. Oder ein Schiff das dem Untergang geweiht war - der Kapitän sprach nicht "Wir werden alle ertrinken!" Sondern "Freut euch Leute! Heute vögeln wir Ran und ihre Töchter!" (Meeresgöttin) In der Tat wurde der Tod sehr oft mit dem Liebesspiel verglichen und meist als etwas sehr positives, schönes dargestellt nicht als etwas das man fürchten muss.
Zudem wie gesagt auch die Paradiese vielfältig waren, da war für jeden Menschenschlag etwas dabei. Nicht nur Valhalla für Krieger (eine Halle in Gladsheim), auch Bilskinir für die einfachen Leute, Breidablick für Heiler, Ydalir für Jäger, Landwidi für eher Einzelgängerische leute, Fensal für die Hausfrauen, Folkwang für die Seherinnen, Sökkwabek für die Poeten und so weiter. Selbst das berühtme Helheim war keinesweges nur für die Ehrlosen mit Höllenartigen Gegenden, sondern war auch mit wunderbaren Räumen ausgestattet die eher an die elysischen Felder Griechenlands erinnern oder das paradies der Christen wo die Göttin denen die gut waren im Leben Freuden bereitet.

Wichtig ist hier zu merken, dass der Tod für die Germanen / Wikinger etwas schönes war, nicht etwas furchtbares. Das erkennen wir auch daran, dass einige von ihnen den Freitod wählten, entweder als Opfer für einen Gott, durch gezielten Selbstmord um durch die Art des Todes in ein spezielles Jenseits zu kommen (so führt etwa Ertrinken zu Ran) oder durch suizidale Tendenzen im Kampf - Berserkir und Ulfhednar. Berühmt seit der Römerzeit waren diese Fanatiker Anhänger eines Odinskultes - und wir Wissen, zu Odin kommt nur wer tapfer lebt, kämpft und stirbt. Wo geht das besser als auf dem Schlachtfeld? Eben. Also zogen diese "Irren" meist ohne Rüstung oder nur in Tierhäuten (Bär oder Wolf - Berserkir = "Bärenmann" Ulfhednar = "Wolfhäuter") angeblich auch nackt in den Kampf - sie erwarteten nicht die Schlacht zu überleben sondern stürzten sich tapfer in den Kampf und hofften auf den Heldentod - gaben ihr bestes und überlebten öfter als ihnen recht war.
Man muss Bedenken, dass Religion damals alles war was man wirklich hatte. Hungersnöte und Epidemien waren normal, was man besaß konnte jederzeit geraubt werden und keiner wusste ob er das nächste Jahr noch erleben würde. Religion war Trost, Sicherheit und bereitete vor. Sie war den Menschen wichtiger als alles Andere und wurde sehr ernst genommen.
Dazu kommt, dass man glaubte, die Zeit des Todes stünde von Geburt an fest. Man hat zwar in der Hand was man mit seinem Leben anfängt (ausgenommen wenige mit "göttlichem" Schicksal) aber nicht wieviel Zeit man hat. Wem an seinem 30. Geburtstag der Tod bestimmt ist wird unweigerlich sterben - egal ob er beim Scheissen umkippt, am Kuchen erstickt oder in der Schlacht fällt. Also suchte man den ehrenvollen Tod - die erwähnten Fanatiker gingen davon aus, dass sie keine Rüstung brauchen. Sie KONNTEN ja gar nicht sterben AUSSER der Tod war ihnen an dem Tag ohnehin bestimmt und dann hilft auch die beste Rüstung nichts.
Man darf nicht vergessen, dass Religion damals Wissen und Gewissheit war. So wie wir heute Wissen, dass die Erde eine Kugel ist und um die Sonne kreist, so wussten die Menschen damals, dass ihr Todeszeitpunkt bestimmt ist und sie nicht früher oder später sterben können, egal was sie tun.

Von diesem Hintergrund aus ist die Furchtlosigkeit gut erklärbar. Weiters ist ein Krieger der Kultur durch Dramen gezeichnet gewesen - wer 20 wurde hatte meist schon viele enge Freunde und Familienangehörige verloren, nicht selten im Kampf. Gewalt war alltäglich, da stumpft man ab.
Auch die Initiationsriten und diverse Kulte waren "brutal" und nicht selten mit Verstümmelung, Nahtoderfahrungen und Vernarbung verbunden. (So musste manch angehender Magier, Odin gleich, ein Auge Opfern und sich 9 tage und Nächte mit einem Speer an eine Eiche stecken lassen...und nicht jeder hat das überlebt)

Weiters waren germanische und wikingerische Männer Krieger - ganz egal welcher Profession sie nachgingen, ob Handwerker, Händler, Bauer, ob König oder Poet - sie wurden von Kindesbeinen an auf den Kampf vorbereitet und waren mit 20 meist schon erfahrene Veteranen die mehrere Waffen gemeistert hatten. In der Tat berichtet etwa die Jomswikingersaga, dass schon 12 Jährige nicht nur als Krieger in Schlachten kämpften, sondern mitunter auch als Führungspersönlichkeiten angesehen und in elitäre Kriegergemeinschaften aufgenommen wurden. Auch die Tatsache, dass manche Kriegerbünde ein Mindestalter von 18 vorsahen, lässt vermuten, dass viele Krieger aus heutiger Sicht Minderjährig waren.

Neben ihrer hervorragenden Kampfausbildung die im Vordergrund stand und damit anderen Kriegern der Zeit überlegen waren, waren auch ihre Waffen und Rüstungen besser als die anderer Krieger der Zeit. (Nicht unbedingt gewaltig aber doch spürbar)
Und sie verbreiteten vor allem eines - Furcht. Der Furcht Faktor begründete sich auf mehrere Dinge. Zum einen waren Wikinger dafür bekannt, niemanden der sich ihnen in den Weg stellte am Leben zu lassen. Sie waren da beinhart und kaltherzig. Wer sich ergab wurde verschont, wer aber die Waffe erhoben hatte wurde Niedergestreckt. Dieses Wissen drängte viele ihrer Feinde zur Aufgabe noch bevor überhaupt ein Kampf begonnen hatte. Auch einige Städte zahlten immense Tributszahlungen freiwillig (darunter Paris) um einem Kampf aus dem Weg zu gehen. Die Wikinger verdankten ihrem Ruf so viele Siege, dass manche nichtmal mehr ihre Rüstungen anzogen wenn sie auf eine Stadt zumarschierten in der Überzeugung, die Feinde würden sich sowieso ergeben – was so oft stimmte, dass es einem Wikingerkönig später zum Verhängnis werden sollte doch dazu ein andermal. Ihr Ruf hatte aber auch andere Säulen – die berühmten Drachenschiffe hatten abnehmbare Drachenschädel (Schnitzereien) auf dem Bug, so dass die abergläubische Bevölkerung des Mittelalters in der Tat dachte, Dämonen würden kommen, zumal Wikinger die meisten militärischen Erfolge in England verzeichnete das auch gern in dickem Nebel liegt. Dann sprangen dutzende Krieger schreiend aus den "Drachen" heraus und griffen ohne zögern, ohne Gnade an. Wikinger kämpften offensiv, immer. Nicht dass sie mit ihren berühmten Schildwällen, nicht unählich der griechischen Phalanx oder römischen Schildkröte nicht auch gute Taktiken gegen Pfeilbeschuss oder anstürmende Feinde gehabt hätten, aber Wikinger verteidigen nicht, sie rücken vor. Was bei einer Schlacht in Schottland berühmt wurde – die Wikinger trafen mit relativ wenigen Leuten auf einer kleinen Insel ein. Die Schotten warteten bereits, in deutlicher Überzahl, am Ufer. Als die Ebbe kam, legte das Meer einen schmalen Steg frei – und die Wikinger, entgegen jeder taktischen oder strategischen Vernunft, marschierten über den schmalen Steg, hinterieinander in die Schotten hinein. Eigentlich eine Selbstmordaktion, aber den Wikingern war es gleich und sie zogen weiter und kämpften mit so einer Wildheit, dass sie die Stellungen der Schotten durchbrechen und schliesslich die Schlacht gewinnen konnten. Auch bei Stamford Bridge bewiesen sie Mut und Wildheit und man sagt ein einzelner Krieger habe 50 Feinde erschlagen bevor er durch Hinterlist den Tod fand. (Er hielt die Brücke)

Bei zahlreichen Eroberungen und Schlachten bewiesen die Wikinger ihre Tapferkeit - in historischen Erzählungen der Römer und des Mittelalters finden wir ihren Mut hoch gelobt. Eine Saga berichtet etwa, dass ein Krieger in der Schlacht das Schild wegwarf und mit nur einer Hand seine Axt schwang - während er mit der anderen Hand seine Gedärme im Leib hielt welche durch eine Wunde am Bauch quollen.
Und mehr als Einmal wird berichtet, dass Berserkir mit abgeschlagenem Bein und Arm weiterkämpften oder ob tödlicher Wunden (etwa Pfeile im Oberkörper) lachten und nur umso wilder kämpften. Dass addierte zum Ruf, diese Leute seien Dämonen und manch ein Gerücht sagte, man könne diese Krieger nur töten wenn man ihnen den Kopf abschlägt.
Gefangenschaft war für die Germanen schlimmer als der Tod - auch da gibt es Berichte, dass besiegte Armeen sich selbst umbrachten. Auch die Frauen - so hiess es, die Frauen feuerten ihre Männer mit entblössten Brüsten an und als die Schlacht verloren schien, erwürgten sie ihre Kinder und erhängten sich dann mit ihrem eigenen Haar.
Ein Schreiber sagte treffend "Der germanische Geist ist der Geist der Freiheit"

Jedenfalls gibt es so viele Berichte über den Mut und die Tapferkeit dieser Menschen, dass man hier kaum übertreiben kann.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 21. Nov 2012, 15:29 
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Magische Bünde, Blutsbruderschaft & Co - die Alternativen:

Natürlich gab es auch in der nordischen Kultur Alternativen zum Clan. Vermutlich aus der Not oder Abgeschiedenheit heraus - Menschen die zu Nidingar geworden sind brauchten ebenso einen "Ersatz"clan wie Krieger die weit von zu Hause entfernt waren oder gar festsaßen. Aber auch Priester & Magier die oft je nach Bedarf zu Clans ohne geistige Führung gingen, brauchten eine Gemeinschaft ausserhalb der Clans zu denen sie einwanderten, nur für alle Fälle.
Und letztlich ist ein "Gemeinschaftsbedürfnis" mit gleichgesinnten Menschen eine Art Grundbedürfnis.
Das Ergebnis dieser Dinge war, dass Bünde geschaffen wurden, welche entweder auf der selben Ebene wie der, oder sogar über dem Clan standen also ebenbürtig waren oder vorrang hatten.

Blutsbande:
Die bekannteste Version ist die Blutsbruderschaft. Die kurze Version ist, dass 2 oder mehr Beteiligte, ein Ritual vollziehen in welchem sie ihr Blut vermischen. Da gabs viele Varianten - man berichtet die alten Germanen haben sich die Hände aufgeschnitten, zusammengepresst (also Handschlag) und Blut in ihe Fussspuren auf der Erde tropfen liessen um so mit "Land und Mensch" eins zu werden.
Es gibt auch Berichte, dass man das Blut aller beteilgiten in einem Kelch / Horn sammelte, mit etwas Erde und Met vermischte und dann jeder davon trank.
Jedenfalls war die Blutsbruderschaft dem Clan gleichgesetzt, also Ebenbürtig. Symbolisch gesehen holte man damit den / die Beteiligten in den jeweils eigenen Clan hinzu, er war "von gleichem Blut" und gehörte damit zur Familie und hatte die selben Rechte aber auch Pflichten wie jedes Clansmitglied. Das Ritual wurde meist vom ganzen Clan geachtet auch wenn nur einer von ihnen Blutsbruderschaft schwor - auch hier dienten die Götter als Vorbild als der Ase Odin den Riesen Loki zu seinem Blutsbruder machte wodurch Loki ein vollwertiger Ase wurde.
Blutsbruderschaften konnten theoretisch von jedem mit jedem geschaffen werden und erweiterten einen Clan.
Das Ritual der Blutsbruderschaft wurde aber auch von anderen Bünden genommen - dabei wurde symbolisch ein neuer Clan aus en Beteiligten geschaffen da in diesen Bünden die angehenden Geschwister ihre eigene Clans verloren hatten (sei es wegen Fehlverhalten ausgestossen, durch Katastrophen oder freiwillige Abwanderung was vor allem bei Schamanen und Magiern vorkam aber auch bei Skalden)

Kriegerbünde:
Natürlich gab es Wikinger und Germanen die ganz für den Kampf lebten - war ja gewisserweise eine Art religiöse Ausrichtung. Manche taten es auch aus der "Freude" am Handwerk und dem damit möglichen Reichtum.
Diese Bünde umfassten alle möglichen Varianten - Nidingr schlossen sich oft zusammen um auf Viking zu gehen - also Piraten, Seeräuber - und schworen sich gegenseitig die Treue um eine loyale Mannschaft zu erzeugen die gerecht teilte und zusammenhielt
Aber auch ehrbare Krieger bildeten solche Gemeinschaften - die Berühmteste waren die Jomswikinger die ihre eigene Sage bekamen. Ihre Kampfkraft galt als legendär, jeder einzelne Jomswikinger als ein Held und sie alle sahen sich als zukünftige Einherjar. Von der gewaltigen Kampfkraft dieser Männer erzählen einige Legenden. Die Jomswikinger waren im Grunde eine Art Söldner und kämpften für eigene Interessen ebenso wie für Sold und waren sich nur gegenseitig treu, weshalb sie auch manches mal als Nidingr beschimpft wurden.
2 sehr berühmte Gemeinschaften ehrbarer Krieger die auch hoch angesehen wurden waren die Berserkir und Ulfhednar. Im Grunde einander sehr ähnlich aber doch verschieden, waren sie fanatische Krieger und fleissige Anhänger des Odinkultes. Sie wollten vor allem eines - als Einherjar nach Valhall einziehen und an Odins Seite kämpfen. Sie lebten ganz und gar für den Kampf und waren berühmt für ihre aggressive Kampfweise, ihre furchterregende Raserei, ihren Heldenmut und ihre Schmerzunempfindlichkeit. In der Tat haben sie scheinbar Riten durchlaufen die sie sehr schmerzresistent machten. Eine alternative Ansicht ist, dass sie spezielle drogenartige Pilze aßen und dadurch schmerzunempfindlich wurden.
Jedenfalls verbreiteten diese Krieger Angst und Schrecken bei ihren Feinden und verbesserten die Moral in den eigenen Reihen und waren in jeder Armee willkommene Gäste. Allerdings nur dort - einige Städte gaben diesen Brutalos Hausverbot weil ihre rüpelhafte, kampflustige Art nicht nur "Nichtgermanen" galt. Ihre Loyalität galt zu allererst Odin, dann ihrem Bund und dann, sofern sie überhaupt noch Kontakt dazu hatten, ihrem Clan.

Magische Bünde:
Auch die gab es. Generell waren Seher/innen Magier/innen (aka Hexen) und Priester/innen in Bünden vereint deren Loyalität über der zum Clan stand. Dieser "Überclanstrukturen" halfen der Gesellschaft zusammenzurücken und die Loyalität gegenüber den Göttern und ihren Bünden vor allem Anderen erlaubte ihnen, als Richter im Thing, Schiedsrichter beim Holmgang oder der Wahl der Anführer als Vorsitzende zu fungieren, und ihr Wort hatte, einerseits wegen ihrer Neutralität in Clansaffären, andererseits wegen ihrer Nähe zu den Göttern, immenses Gewicht.
Untereinander hatten die verschiedenen Bünde meist wenig zu schaffen, aber es gab doch Bünde zwischen etwa Priestern der selben Gottheit, umherreisenden Skalden, Magiern, Hexen etc.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 23. Nov 2012, 19:53 
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Was sind Wikinger überhaupt?

Bei dem Wort Wikinger denken viele an behörnte Seeräuber - dass das Unfug ist hab ich am Anfang schon ausführlich erklärt, auch woran das liegt. Im Grunde bezeichnet man die skandinavischen Völker (Gebiet Dänemark, Schweden, Norwegen) mit späteren Eroberungen (Normandie, England, Island, Orkney, Shetland und ein Teil Irlands, sowie Russland und die Varäger Garde in Byzanz und Sizilien, als auch die Faröer Inseln und Grönland) als Wikinger welche im Zeitraum zwischen 793 (Beginn der Wikingerzeit mit dem Überfall auf das Kloster St. Cuthbert in Lindisfarne) und 1066 (Ende der Wikingerzeit mit dem Tod von Harald Hadradr bei der Schlacht um Stamford Bridge) gelebt haben.

Die Einteilung erscheint recht willkürlich und ist es auch. Mit dem Tod von Hadradr in 1066 waren die Wikinger nicht einfach verschwunden, aber es läutete das Ende ein - nach Hadradrs Niederlage (er war so eine Art König von Norwegen) begannen die Wikinger an sich und ihren Göttern stark zu zweifeln. Kleinere Zweifel an der Stärke der eigenen Götter hatte mans chon durch frühere Niederlagen erfahren, doch dazu gleich mehr. Jedenfalls waren die Wikinger nicht über Nacht verschwunden. Bis 1100 waren jedoch die skandinavischen Länder grossteils Christianisiert, sowie auch die eroberten Gebiete - aus Irland wurden die Wikinger vertrieben wie auch aus England zuvor. Allein in Island, Orkny, Shetland und den Farörer Inseln hielt sich das Heidentum hartnäckig wobei das in Island auch eine Minderheit war.
Zusammen mit der Christianisierung und der Aufgabe des alten Glaubens, begann die Unterdrückung des Volkes - sie waren keine freien Männer mehr sondern Knechte. So schwangen sich erfolgreiche Heerführer zu christlichen Königen auf deren Anspruch durch Gott unanfechtbar war, anders als im Heidentum als der Anführer dem Volk was bieten musste. Es wurden erstmalig Steuern erhoben (das hätte sich früher kein Wikingerführer getraut, der musste umgekehrt seinen Leuten was zahlen damit die ihm folgen) die Frau verlor ihre Rechte und ihren Status, wie auch die meisten Einwohner. Die kleinen Territorien und Stammestümer wurden zu riesigen Reichen vereint und die wenigen Heiden die es noch gab wurden teilweise verfolgt. Ab ca. 1100 waren die "Wikinger" verschwunden - christianisiert im Norden, ins Reich eingegliedert (Frankreich) oder mit der einheimischen slawischen Bevölkerung vermischt (Russland) bzw. der Griechischen (Byzanz)

Auch der Beginn war sehr willkürlich gewählt. Überfälle der Norweger und Dänen auf christliche Klöster und Städte gab es schon früher. Warum also ausgerechnet Lindisfarne?
Weil es weh tat. St. Cuthbert war eines der heiligsten Klöster der Christen, vollgestellt mit heiligen Artefakten. Es war eine Hochburg des Glaubens und einer der 3 heiligsten Orte der damaligen Zeit. (nach Rom und Jerusalem)
Für moderne Menschen - Terrorismus gab es schon vor dem 11. September bei dem das WTC zerstört wurde. Warum sprechen wir so viel davon erst seit dem Datum? Weil es getroffen hat.
Das galt auch für die Wikinger. Lindisfarne war ein derber Schlag für die Christenheit und läutete in den Augen der damaligen Bevölkerung die Apocalypse, das jüngste Gericht ein.
Historiker berichten, dass dem Überfall Seuchen und Hungersnöte vorrausgingen - man sah im Angriff der Wikinger das letzte Zeichen des nahenden Weltunterganges.
Manche bezeichneten die Wikinger als grausame blutrünstige Dämonen, Andere sahen in ihnen das Werkzeug Gottes, das eine sündige Menschheit von der Erde fegen sollte.
So oder so, sie waren über Nacht der Schrecken der Christenheit geworden.

Das versteht man besser wenn man die Gedanken der Christen durchleuchtet - die Christen dachten, die Heiligen würden sie schützen. Man WUSSTE dass die Reliquien von Heiligen (etwa sterbliche Überreste oder Gegenstände der Heiligen wie ein Stück Holz von Jesus Kreuz) vor weltlichen und übernatürlichen Gefahren schützen. Man sagte ihnen auch grosse Heilwirkung nach - Reliquien waren die Rundumversicherung der damaligen Christen und es wurde reger Handel mit gefälschten Reliquien getrieben.
Jedenfalls war St. Cuthbert wie erwähnt vollgestellt mit Reliquien und die Wikinger konnten nicht nur mühelos eindringen, sie konnten auch alle Mönche umbringen bzw. gefangen nehmen, das Kloster ausrauben und zerstören.
Das Weltbild der Gläubigen war vernichtet - wie konnte Gott das nur zulassen? Wieso schützen die heiligen Reliquien nicht vor diesen Monstern? Ihr Glaube war erschüttert. Um die Gläubigen nicht zu verlieren und damit die Macht, wurden zahlreiche Geschichten über die unglaubliche Stärke und Kampfkraft der Wikinger verbreitet - nicht zu Unrecht, denn irgendwie schien keine Armee der damaligen Zeit den Wikingern gewachsen zu sein.
Zudem wies man ihnen dämonische Kräfte zu - immerhin schlugen sie ebenso schnell aus dem nichts zu, wie sie wieder mit reicher Beute darin verschwanden. (Schon damals hatten Wikinger Schiffe mit denen man Flüsse hochfahren konnte und die bis zu 20 Knoten schnell wurden (ca. 40 km/h) - eine unglaubliche Geschwindigkeit für die damalige Zeit.
Sie liessen sich von Wunden und Schmerz nicht aufhalten, waren herausragende Kämpfer und bestens gerüstet - und sie waren Heiden - die Armee der Hölle, so dachte man.

Kurzum die Angst vor Wikingern ist vergleichbar mit der Angst vor heutigen Terroristen - keiner wusste wann oder wo sie zuschlagen, jeder musste mit einem Angriff rechnen egal wo in Europa er wohnte. Selbst Regensburg wurde von Wikingern geplündert, wie auch viele andere Städte inmitten des Kontintentes. (entlang des Rheins einige, aber auch Paris und später über die Donau auch andere Städte) Jahrhundertelang sollten die Wikinger Angst und Schrecken verbreiten.

Aber waren sie wirklich so? Naja, schon aber nur ein kleiner Teil. In Deutschland gibt es auch Mörder und Diebe. Sind deswegen alle Deutschen Mörder und Diebe? Nein. Aber man neigt dazu ein Volk aufgrund einzelner Individuen und deren Taten zu verurteilen. Und so wurde die altnordische Bezeichnung für die Plünderer, die übrigens in ihrer eigenen Gesellschaft als Kriminelle galten, zum Namen für ein ganzes Volk. Wie Unrecht man dem Volk damit tut wird ersichtlich wenn man sich vorstellt, die Deutschen wären Weltweit als "die Nazis" bekannt.
Die Wikingervölker selbst nannten sich jedenfalls anders. Zumal es DIE Wikinger nie gegeben hat. 2 mal in der Geschichte hätte es beinahe ein Wikingerimperium gegeben das England und die skandinavischen Länder umfasst hätte, aber beide Male starben die Anführer kurz bevor sie ihr Ziel erreichen konnten (Hadradr und Knut (sohn von Sven Gabelbart) der König von England war - durch Eroberung)
Es waren vielmehr Clangemeinschaften, kleine Stämme und erst spät grössere Verbünde die schon einen grossen Teil von etwa dem heutigen Norwegen umfassten aber noch keine richtigen Königreiche waren. Dänemark trat noch in der Wikingerzeit - um 950 - zum Christentum über und wurde bald Königreich unter Harald Blauzahn. (im englischen Bluetooth, wird übrigens eine Berkana Rune verwendet um die Technologie Bluetooth darzustellen)
Dennoch hatten diese Gemeinschaften, die auch untereinander Kriege führten, eine gemeinsame Sprache (altnordisch) Religion (Asatru / nordisch) und Kultur, was sie historisch gesehen zu einem Volk macht. Im Grunde waren sie die "Germanen des Mittelalters" - viele Wikingerstämme gab es schon zu Zeiten der Germanen (etwa die Gauten, damals bekannt als die Goten - ein berühmter Germanenstamm) und sie verband mit den Germanen nicht nur die Lebensweise und Architektur, sondern generell die Kultur, die Gesetzgebung, Demokratie (Thing) und Religion. Und zu einem Teil auch die Sprache (Altnordisch entwickelte sich direkt aus dem Protogermanischen über das Protonordische) Sie, anders als die antiken Germanen, liessen sich mit der Konvertierung zum Christentum einfach noch ein paar Jahrhunderte mehr Zeit.

Und auch hier sollten die Römer recht behalten die schon damals wussten "Der grösste Feind des Germanen, ist ein anderer Germane" bedenkt man welche Völker aus den Germanen hervorgingen (etwa England & Frankreich oder Deutschland & Norwegen) ist das bis in die moderne Zeit so korrekt, dass es direkt weh tut. Oder lustig ist wenn man Sinn für schwarzen Humor hat.

Die Dämonisierung der Wikinger sorgte für viele Gerüchte und bis heute halten sich Einige davon hartnäckig. Dabei waren die Wikinger im grössten Teil friedliche Handwerker, Bauern und Händler was grosse Handelsstädte wie Haitabu deutlich zeigen. Natürlich gab es auch Krieger und deren Ruhm war gewaltig. Allerdings verdienen auch die Handwerker Hochachtung, denn ihre Kunstfertigkeit wurde lange nach ihnen nicht mehr übertroffen, und die Händler handelten mit Elfenbein aus Walrosszähnen aus Grönland, mit kleinen Buddhastatuen aus China, Gewürzen aus den arabischen Ländern und Waren aus Byzanz, aber auch mit Sklaven aus aller Welt. Ein Netzwerk, das ebenfalls laaange nach ihnen nicht mehr erreicht wurde.

Stämme:
Wikinger benannten sich oft nach den Orten an denen sie lebten. So wie es auch heute "Franken" "Bayern" "Berliner" etc. gibt, gab es damals etwa in Norwegen die "Rygialandi", "Halogaland" "Vestfold" in Schweden etwa die "Gautlandi" "Gotland" (Goten), Swethiud (später der "Herrscherstamm" über ganz Schweden daher der Name) und Häme. In Dänemark gab es etwa die "Prusi" die "Obotriten" und die "Danen"
Am bekanntesten sind heute vermutlich die östlichen Wikinger, die "Rus" nach denen das heutige Rus(s)land benannt ist, was den Namen angeht jedenfalls.
War also ähnlich aufgebaut wie im antiken Germanien das ja nicht aus "DEN" Germanen bestand sondern etwa den Sueben, den Markomannen, den Sachsen, den Friesen, Teutonen etc.
Dennoch waren die Unterschiede eher gering, war doch wie gesagt Sprache, Kultur, Religion, Architektur etc. nahezu gleich. Dennoch wäre etwa ein Franke beleidigt wenn man ihn als Bayer bezeichnet obwohl die Unterschiede für Aussenstehende nur schwer zu erkennen sind.

Eine kleine Zeittafel mit den wichtigsten Eckdaten:

790: Erste dokumentierte Wikingerüberfälle in Europa (Kontinent), erste Überfälle auf Irland und Schottland
793: Wikingerüberfall auf das Kloster St. Cuthbert auf der Insel Lindisfarne
799: Überfälle auf Frankreich
800: Krönung von Karl dem Grossen
800: Godfred von Dänemark gerät in Konflikt mit Karl und beginnt Haitabu zur Stadt auszubauen, sowie die Verteidigungsanlagen des Danewerkes zu erweitern. (Die "Deutschen" hatten Dänemark früher angegriffen)
Um 800: Das ältere germanische Futhark wird durch das jüngere 16er Futhark abgelöst.
810: Godfred stirbt, vermutlich ermordet.
820: Erste Missionierungsreisen durch Ansgar nach Dänemark und Schweden.
825: Erste Münzprägung der Dänen in Haitabu
830: Die Wikingerüberfälle auf England und Frankreich nehmen zu.
834-837: Andauernde Überfälle auf Dorestadt
840: Erste Überwinterung der Wikinger in Frankreich, Errichtung eines befestigten Wikingerlagers.
840 - 870: Halfdan der Schwarze regiert in Norwegen.
841: "Gründung" und Ausbau von Dublin durch die Wikinger (Olaf der Weisse)
844: Überfälle durch Wikinger auf Spanien
845: Hamburg und Paris werden geplündert. Paris zahlt das erste "Danegeld" (Lösegeld - anstatt ausgeraubt zu werden, zahlt man Tribut damit die Wikinger friedlich abziehen)
850: Ansgar der Missionar bekommt die Erlaubnis Kirchen in Haitabu und Ribe zu bauen. Er reist nach Birka.
850: Erstes Winterlager der Wikinger in England
857: Wikinger plündern Paris
859-862: Wikingerexpedition nach Spanien und in das westliche Mittelmeer
860: Besiedelung der Faröererinseln durch Wikinger, Gründung von Nowgorod und Kiev durch Wikinger (Rus)
861: Und wieder wird Paris geplündert.
862: Rjurik, ein Wikinger wird Herrscher von Nowgorod
866: Das erste grosse Wikingerheer landet in England
867: Dänen erobern York
870: Die Wikinger töten König Edmund von Eastanglia. Sie errichten das Jarltum Orkney
870-930: Wikinger besiedeln Island
870-940: Harald Schönhaar König von Norwegen
871-899: Alfred der Grosse ist König von Wessex
873-874: Wikinger überwintern in Derbyshire
876-879: Erste Dauersiedlungen der Wikinger in England werden erbaut.
878: Schlacht von Edington und Vertrag von Wedmore und damit Teilung Englands. (Daneland)
880: Harald Schönhaar versucht Norwegen zu vereinen
882: Nowgorod und Kiev werden zu einem Reich vereint
886: Und wieder wird Paris geplündert.
ca. 890: Grosse Seeschlacht von Hafrsfjord in Norwegen. Olaf der Schwede regiert Dänemark und Schweden.
902-954: Die Engländer erobern das Daneland zurück und vertreiben fürs erste die Wikinger.
911: Rollo, ein Wikingerfürst, erobert und begründet die Normandie in Frankreich.
912: Wikinger als Piraten im kaspischen Meer
914: Wikinger erobern die Bretagne
917: Dublin wird von Wikingern "neu" gegründet und ausgebaut
922: Ibn Fadlan, arabischer Historiker, besucht die Rus an der Volga und berichtet über sie.
926-933: Die Normandie wird erweitert
930: Die Wikinger werden aus der Bretagne rausgeschmissen.
930: Das erste isländische Allthing tagt.
934-960: Hakon der Gute von Norwegen versucht vergeblich sein Land zu bekehren.
937: Schlacht von Brunanburh, England
954: Erik Blutaxt wird aus York vertrieben und in der Schlacht von Stainmore getötet
958: Harald Blauzahn wird König von Dänemark
960: Taufe von Harald Blauzahn
964: Olaf Tryggvason wird König von Norwegen
968: Das Danewerk wird erneut verstärkt
980: Errichtung der dänischen Ringburgen
980: Erneute dänische Angriffe auf England; Schlacht von Tara, Irland
981: Christianisierung von Russland,
981: Gründung der Warägergarde in Byzanz
985: Erik der Rote entdeckt Grönland und siedelt dort.
985-1014: Sigurd der Dicke wird Jarl von Orkney
987-1014: Sven Gabelbart König von Dänemark
991: Schlacht von Maldon
995-1022: Olaf Skötkonung König von Schweden. Schweden tritt zum Christentum über, das Bistum Skara wird errichtet.
995: Olaf Tryggvason vereint Norwegen
1000: Seeschlacht von Svolder und Tod Olaf Tryggvasons
Ca. um 1000: Entdeckung von Neufundland durch Leif Erikson, Siedlung in Vinland. Island wird christianisiert.
1002: König Ethelred befiehlt das Massaker der Dänen in England
1014: Dänische Eroberung Englands durch Sven Gabelbart. Brian Boru besiegt die Wikinger in Irland in der Schlacht von Clontarf.
1014-1065: Thorfinn der Mächtige ist Jarl von Orkney
1016-1035: Knut der Große, Sohn von Gabelbart ist König von England und Dänemark
1027: Erste Steinkirche in Skandinavien wird errichtet, in Roskilde, Dänemark
1028: Knut unterstützt den Widerstand gegen König Olaf Haraldsson von Norwegen
1030: Schlacht von Stiklestad und Tod Olaf Haraldssons. Auch bekannt als Olaf der Heilige
1042: Tod König Knuts von England
1042-1047: Magnus vereinigt Norwegen und Dänemark
1047-1066: Harald Hardradr ist König von Norwegen
1056: Errichtung von Islands erstem Bischofssitz in Skalholt
1066: Haitabu wird durch die Slawen zerstört. Wikinger erobern Gebiete in Nordengland. König Harald Hadradr stirbt in der Schlacht von Stamford. Schlacht um Hastings - der Wikingernachfahre William der Eroberer erobert England.
1066-1093: Olaf Kyrri König von Norwegen
1066-1087: Wilhelm der Eroberer König von England
1069: Eine dänische Flotte versucht England zu erobern, scheitert jedoch.
1079: König Godfred Crovan von Man siegt in der Schlacht von Skyhill
1086: Tod König Knuts von Dänemark, auch bekannt als Knut der Heilige.
1091: Eroberung Siziliens durch die Wikinger
1096-1103: Erik Ejegod König von Dänemark
1096-1099: 1. Kreuzzug
1103: König Magnus Barfuß von Norwegen wird auf einer Expedition nach Irland getötet. Irland jagt die Wikinger aus dem Land.
1125: Errichtung eines grönländischen Bistums in Gardar

Irgendwann um 1200 verschwindet die Kolonie in Grönland - wurde vermutlich wegen drastischer Temperaturabfälle aufgegeben.

Prähistorische Zeit (4000 - 200 v.Chr.)
4000: Migration der Indogermanen nach Europa beginnt.
1500: Beginn der Bronzezeit in Skandinavien
1000: Die ersten germanischen Stämme entwickeln eine gemeinsame Sprache (Protogermanisch) eine gemeinsame Kultur und Religion die sich deutlich von der Umgebung (Monolithkulturen, Kelten) unterscheidet. Sie siedeln im skandinavischen und Deutschen, polnischen Raum.
500: Eisenzeit in Skandinavien beginnt
500 - 200: Blüte der Kelten im Grossteil Europas.
Um 250: Vermutliche Entwicklung der Runen (älteste Funde der Runenschrift)
200: Ostgermanische Stämme (Goten, Burgunder und Kleinere) verlassen Skandinavien und siedeln im Osteuropäischen Raum (Polen, Ungarn bis ans schwarze Meer)
Westgermanische Stämme wandern nach Südwesten und besiedeln den heutigen Deutschen Raum bis an den Rhein und verdrängen (eher verjagen) die dort lebenden Kelten (die fliehen nach Frankreich)
ca. 200: Die Protogermanische Sprache beginnt sich in Westgermanisch ( Ingvaenoisch, Irmionisch und istvaenoisch, heute Deutsch, Englisch) Nordgermanisch (später Protonordisch, Altnordisch, heute Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Isländisch) und Ostgermanisch (Gotisch, Burgundisch - heute keine überlebende Sprache) aufzuteilen.

Römische Periode:
um 150 v. Chr: Erste Begegnungen zwischen Römern und Germanen gefolgt von ersten Kampfhandlungen. Die Römer ziehen sich zurück.
9 NACH Christus: Arminius besiegt die Römer im Teutoburger Wald. Die Germanen etablieren sich als Schrecken der Römer. Seither keine grösseren Versuche oder Erfolge seitens der Römer gegen die Germanen.
98 n. Chr: Tacitus schreibt die Germania - das erste Werk das sich genauer mit den germanischen Stämmen befasst, die vorher (etwa bei Cäsar) nur grob als "die Germanen" bezeichnet werden. Zuweisung von Stammesgebieten (früher nur als Germania Magna bekannt) und erste Beschreibungen von Religion, Kult und Lebensweise der Germanen. Später schreibt Plinius mehr dazu.

Völkerwanderung:
325 n. Chr. Die Goten werden ein mächtiger Stamm und konvertieren bis 400 zum Christentum. Bischof Wulfila schreibt eine Bibel - das einzige Stück geschriebenen Gotisch das wir kennen.
378: Die Goten besiegen die Römer in mehreren Schlachten
407: Ein Bund verschiedener germanischer Stämme überquert den Rhein und vertreibt die Römer
410: Die Westgoten erobern Rom
436: Die Hunnen, verbündet mit Ostrom und in deren Auftrag, überrennen die Burgunder und löschen den Stamm aus (in der Zeit und Gegend spielt die Nibelungensaga)
449: Die Angeln und Sachsen erobern England. Die keltische und römische Bevölkerung wird in den hohen Norden (Schottland) verjagt. Beginn des "angelsächsischen" Volkes.
450: Die Angelsachsen entwickeln, um ihrem Dialekt gerecht zu werden (der sich langsam mit walisischen Einflüssen vermischt) das angelsächsische Fudork mit 33 Runen
493 - 526: König Theoderich regiert in Rom. Die Vandalen erobern Spanien und Nordafrika bis Tunis.
um 500: Allemannen siedeln in Deutschland und Frankreich. Die Bajuvaren entstehen (Bayern)
500 - 530: Der historische Beowulf betritt und erfreut die Weltgeschichte
659: Penda, der letzte germanische König Englands, stirbt im Kampf. England wird christianisiert.
697: Die Friesen setzen sich erfolgreich einem Bekehrungsversuch der Christen entgegen
ca. 700: Protonordisch wird zu Altnordisch
ca. 737: Errichtung des Danewerks (Schutz gegen die mittlerweile christlichen "Germanen" im Süden die öfter versuchen Dänemark mit Gewalt zu bekehren)
772: Die noch heidnischen Sachsen werden ausgerottet

Nach der Wikingerzeit...
1117: Grágás, die erste schriftliche Gesetzgebung Islands, wird verfasst
1122: Thorgilsson schreibt die Islendingabok
1175: Die erste Version des Nibelungenliedes wird geschrieben
1220: Snorri Sturluson schreibt die Edda
1225: Snorri Sturluson schreibt die Heimskringla
um 1300: Die Isländersagen werden geschrieben, sowie Andere.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 2. Dez 2012, 09:40 
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Zuerst muss man sagen, dass es bei den Wikingern eben nicht "gut und böse" gab wie es die Christen kennen. Es gab daher auch keine bösen Wesen wie die Dämonen, obwohl das oft irrtümlicherweise vermutet wird. In der Tat stammen aber alle Götter von Riesen ab. Im Grunde haben wir es in der nordischen Götterwelt mit mehreren Riesenfamilien zu tun: den kriegerischen Asen, den friedvollen Wanen, den naturgewaltigen Thursen und den vernichtenden Jöten. Alle diese Wesen können für Menschen schöne, hilfreiche Taten vollbringen aber ebenso zerstörerische, schädliche Dinge tun. Die Nordmänner beteten keinesfalles nur zu den Asen oder Wanen, auch viele Jöten und Thursen wurden von ihnen verehrt, um Beistand oder ähnliches gebeten.
Die Nordmänner waren Polytheisten und Pantheisten und ihr Pantheon war keinesfalles klein, obwohl einige Götter eindeutig wichtiger waren und mehr verehrt wurden als Andere.
Weiters waren die Wikinger und Germanen von ihrer Religion und Götterwelt her nahezu gleich. Manche germanische Götter haben zwar aufgrund sprachlicher Unterschiede andere Namen, sind aber die Selben wie bei den Wikingern (etwa Wotan = Odin oder Tir = Tyr, Donar = Thor etc.)
Wer jedenfalls meint, die Wikinger kannten nur eine handvoll Götter irrt. Ich habe versucht, Überschneidungen zu vermeiden, da viele Götter ein breites Spektrum an Zuständigkeit haben sollen, diese sich aber oft mit anderen Göttern überschneiden. Daher habe ich die Götter auf ihre Haupaspekte reduziert, welche nur sie vertreten.

Das Wikingererbe heute:
Für viele Menschen vielleicht der Interessanteste Punkt. Wo spüren wir denn HEUTE noch die Wikinger? Worin besteht ihr Erbe für die Welt?
Nun, es ist ein grosses Erbe, dass sich in eigene Punkte unterteilt.
Da wäre etwa die Sprache: Natürlich in allen "nordischen" Staaten aber auch in Englisch und sogar Deutsch, haben wir Worte die direkt aus dem Altnordischen übernommen wurden (in Deutsch wenige, da hier vor allem Protogermanische Wörter überlebten die noch vor dem Altnordischen hier eindrangen)
Im Englischen wird das schneller ersichtlich: take (taka) give (gefa) raven (hravn) und so weiter - viele Wörter sind nordischen Ursprunges. Aber auch sehr viele Ortsnamen - alle Orte die auf "-by" enden sind von Wikingern gegründet worden. Im Name Russland versteckt sich der Wikingerstamm der Russ und die Normandie kündet noch von ihren einstigen Herren.
Was noch? Nun politisch gesehen waren die Wikinger verantwortlich für die Bildung einiger moderner Nationen. Ohne die Wikinger hätte es vermutlich nie ein Russland gegeben, denn bevor die Wikinger kamen stand in den Einöden kaum etwas nur kleine slawische Dörfer die sich bekriegten. Die Wikinger aus Schweden erbauten die ersten grossen Städte der Gegend - Kiev, Nowgorod und St. Petersburg, welche später Nationen Formen und zu Russland werden sollten. Die Wikinger hatten ein Handelsnetzwerk das bis nach China reichte und errichteten auch andere Städte in der Gegend.
Aber auch England wie wir es kennen, würde es ohne Wikinger nicht geben. Die Wikinger einten die 5 englischen Reiche der Insel inklusive Irland und den schottischen Inseln zu einem Reich. Und auch William the Conqueror der "Vater" Englands war ein Wikinger aus der Normandie.
Island und andere Inselstaaten hätte es auch nicht gegeben.
Ausschlaggebendder war jedoch ihr gewaltiges Handelsimperium das Waren aus aller Welt zugänglich machte und die Kunst vieler Völker bereicherte.
Wesentlicher als das, war jedoch die Erfindung der Währungsunion. Ja der Euro und die EU sind keine Erfindung der Moderne - schon die Wikinger entwickelten ein einheitliches Währungssystem das weite Verbreitung und Anklang fand. Und als sie letztlich dem Christentum beitraten und bei den Kreuzzügen mitwirkten hatten wir eine Art EU und Nato in einem.
Ebenfalls sehr interessant, waren die grossen Errungenschaften in der Seefahrt, welche den Handel zur See allgemein verbesserten.
Auch für die Küche und Brauerei hinterliessen sie einige tolle Rezepte.
Das künstlerische Erbe der Wikinger lebt bis heute fort - auch heute noch orientiert sich die Kunst an Wikingermotiven deren bekannteste Form wohl die Tribals sind.
Für die Esoteriker - die Runen sind auch heute noch magische, geheimnisvolle Schriftzeichen die immer mehr Anhänger haben. Die Denkweise der Wikinger lebt da fort.
Auch in der Kosmetik haben wir ein Erbe der Wikinger, die sehr reinlich waren.

Wars das? Keinesweges. Was uns kulturell blieb waren die Sagas. Es klingt erstaunlich, aber beinahe alles was wir heute mit Fantasy verbinden stammt von den Wikingern. Elfen / Elben, Zwerge, Feen, Riesen, Trolle, Orks, Werwölfe, Zombies, Hexen, Drachen, magische Waffe, Rüstungen, Materialien...alles germanisch/nordisches Erbe.
J.R.R. Tolkiens Meisterwerke (Herr der Ringe und Co.) sind von den Sagas inspiriert. Viele Namen seiner Werke sind nordische Namen (etwa Gandalf) und gerade das Silmarillion erzählt fat 1:1 isländische Sagas nach nur mit mehr Fantasygestalten.
Und wer kennt nicht die Nibelungensaga oder die Legende von Beowulf?
Auch in der Mode haben wir lange Zeit Wikingermode beibehalten, reich verziert und doch praktisch.

Erstaunliche Seefahrer:
Die wohl grösste Errungenschaft der Wikinger war ihre Leistung als Seefahrer. Ihre Schiffe konnten nicht nur der rauehn Hochsee standhalten sondern selbst über Flüsse fahren. Das beeindruckenste war aber wohl, dass diese Schiffe leicht genug waren, dass sie selbst über Land transportiert werden konnten.
Das "klassische" Wikingerdrachenschiff für 60 Mann war unglaublich schnell (ca. 40 km/h) sehr wendig, konnte sofort die Fahrtrichtung ändern und war sowohl auf der Hochsee wie auch auf Flüssen einsetzbar. Aufgrund des niedrigen Tiefganges konnten die Wikinger die Seine bis Paris, den Rhein und von Regensburg aus über LAND in die Donau gelangen.
Das Schiff wurde dazu aus dem Wasser gehoben, auf Holzrollen angebracht und geschoben bis wieder ein Fluss in Sicht war.
Die Schiffe wurden aus verschiedenen Hölzern gemacht, ein jedes Holz für seine Aufgabe bestens geeignet. An die 20 verschiedenen Äxte wurden zur Verarbeitung benutzt und die wichtigen Schiffsbretter wurden aus einem einzigen Baum gewonnen was sie unglaublich flexibel machte.
Segel aus wasserabweisender Wolle, mit Fett imprägniert, waren ebenso "hochtechnologisch" wie ihre Schiffe die im wahrsten Sinne auf den Willen ritten und dabei manchmal sogar kurzfristig aus dem Wasser gehoben wurden. Mit diesen Schiffenwn ar fast überall Landgang möglich.

Ebenso bewundernswert ist ihre Methode, mit der sie sich orientierten - ohne Kompass würde heute kein Kapitän in See stechen und auch Kolumbus wäre ohne nicht ans Ziel gelangt. Die Wikinger schon - sie orientierten sich aber nicht an den Sternen, eine Methode die anderen Völkern eigen war, sondern an der Sonne, der Farbe des Wassers und - Vögeln.
Gefangene Raben wurden auf hoher See freigelassen - kreisten sie über dem Schiff und kamen zurück, war kein Land im umkreis von 200 Kilometern. Flogen die Raben dagegen weg, so wusste man, dass in dieser Richtung Land lag.

Diese etwas ungenaue Methode der Orientierung hatte viele "zufalls"entdeckungen zur Folge. So wurde Amerika etwa von einem Kapitän entdeckt, der eigentlich nach Island wollte und abdriftete. Erik der Rote folgte dann den Erzählungen und fand Grönland. Ein Kapitän Namens Bjarni (der Blonde) der von Island nach Grönland wollte, driftete ab und kam irgendwo bei New York an - und später sollte Leif Erikson dort siedeln und das Land Vinland nennen

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 Betreff des Beitrags: Re: Was man über Wikinger wissen sollte
BeitragVerfasst: 15. Mär 2014, 07:28 
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Zitat:
Feine Goldschmiedearbeiten, Silbermünzen aus Afghanistan und ein gewaltiges Kriegsschiff: Das Britische Museum feiert die wilden, Angst einflößenden Wikinger mit einer neuen Ausstellung.

Piraten, brutale Räuber und Vergewaltiger - oder doch vor allem geniale Handwerker, mutige Seeleute und Händler? Wie man die Wikinger aus heutiger Zeit beurteilen soll, darüber streiten sich Gelehrte seit vielen Jahrzehnten. Die Macher einer neuen Ausstellung im Britischen Museum haben sich für ein klares Sowohl-als-auch entschieden.

Wikinger-Ausstellung

Die Ausstellung ist in London - etwas weit weg um sie zu besuchen.


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